Bei der sechssaitigen Gitarre ist die Reihenfolge klarer, als viele denken: Von der dicken tiefen E-Saite bis zur dünnen hohen e-Saite lautet die Standardstimmung E, A, D, G, H, e. Wer diese Ordnung sicher beherrscht, liest Griffbilder schneller, stimmt sauberer und vermeidet die typischen Verwechslungen zwischen 1. und 6. Saite. Ich zeige hier die Standardreihenfolge, die deutsche Benennung mit H statt B und die Praxis, mit der ich eine Gitarre zuverlässig in Stimmung bringe.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die 6. Saite ist die dicke tiefe E-Saite, die 1. Saite die dünne hohe e-Saite.
- In Standardstimmung lautet die Folge von tief nach hoch: E, A, D, G, H, e.
- Im deutschsprachigen Raum steht H für den Ton, den internationale Quellen als B notieren.
- Zwischen G und H liegt als einzige Abweichung eine große Terz; die übrigen Abstände sind Quarten.
- Mit Stimmgerät, sauberer Nummerierung und einem zweiten Kontrollgang nach dem Stimmen bist du meist schneller als mit Raten.
Die Standardreihenfolge der Gitarrensaiten
Auf einer normalen sechssaitigen Gitarre zählt man von der dicksten zur dünnsten Saite. Das ist gleichzeitig die Richtung, in der die tiefsten Töne zuerst kommen: 6. Saite tiefes E, 5. Saite A, 4. Saite D, 3. Saite G, 2. Saite H, 1. Saite hohes e. Technisch betrachtet liegen die Saiten fast vollständig in Quarten, also in Abständen von fünf Halbtönen. Nur zwischen G und H sitzt eine große Terz, und genau dieser kleine Bruch sorgt dafür, dass die Gitarre anders greift als ein rein symmetrisch gestimmtes Instrument.
| Saite | Nummer | Deutsche Bezeichnung | Internationale Schreibweise | Frequenz |
|---|---|---|---|---|
| Dickste Saite | 6 | tiefe E-Saite | E2 | ca. 82,4 Hz |
| 5 | A-Saite | A2 | 110 Hz | |
| 4 | D-Saite | D3 | ca. 146,8 Hz | |
| 3 | G-Saite | G3 | 196 Hz | |
| 2 | H-Saite | B3 | ca. 246,9 Hz | |
| Dünnste Saite | 1 | hohe e-Saite | E4 | ca. 329,6 Hz |
Die Zahlen helfen beim Lesen von Tabs und Griffdiagrammen: Die 1. Saite ist nie die dicke Basssaite, sondern immer die hohe e-Saite. Genau an dieser Stelle entstehen die meisten Verwechslungen, deshalb kläre ich als Nächstes die deutsche und die internationale Benennung.

Warum in Deutschland H statt B steht
Im deutschsprachigen Raum ist die Tonbenennung historisch etwas anders als im internationalen Unterrichtsmaterial. Das englische B entspricht bei uns dem H, während unser B dem englischen B♭ entspricht. Deshalb steht die zweite Saite der Gitarre hierzulande als H-Saite im Heft, im internationalen Tuner aber als B. Wer das nicht trennt, landet schnell beim falschen Ton, obwohl die Grifftechnik stimmt.
Das gleiche Prinzip gilt für die Schreibweise der hohen und tiefen E-Saite: Beide heißen E, klingen aber eine Oktave auseinander. Eine Oktave ist derselbe Tonname in höherer oder tieferer Lage. Für die Praxis heißt das ganz schlicht: Die Namen wiederholen sich an den beiden Enden, die Tonhöhe nicht. Das ist der wichtigste mentale Anker, bevor man überhaupt über das Stimmen spricht.
Wenn die Benennung sitzt, wird auch das Lernen der Saitenreihenfolge deutlich entspannter. Danach lohnt sich der Blick darauf, wie ich mir die Namen ohne Denkpause merke.
So merke ich mir die Saiten ohne Verwechslung
Ich verlasse mich ungern auf Eselsbrücken allein, weil sie im falschen Moment gerne wegrutschen. Zuverlässiger ist für mich die Kombination aus Nummer, Tonname und Klanglage: 6 = tiefes E, 5 = A, 4 = D, 3 = G, 2 = H, 1 = hohes e. Wenn ich eine Saite benenne, denke ich zuerst an ihre Position, dann an den Ton. Genau diese Reihenfolge spart später Zeit beim Stimmen und beim Lesen von Akkorddiagrammen.
- 6. Saite = tiefes E, also die dickste Saite.
- 5. Saite = A, die nächste Saite Richtung dünner.
- 4. Saite = D, meist der zweite Orientierungspunkt beim Stimmen.
- 3. Saite = G, hier beginnt die kleine Ausnahme im Standardaufbau.
- 2. Saite = H, in vielen englischen Quellen als B bezeichnet.
- 1. Saite = hohes e, also die dünnste Saite.
Für Einsteiger ist noch wichtiger als jeder Merkspruch: Die Zählung läuft von der dünnsten Saite als 1 bis zur dicksten als 6. Wer das konsequent im Kopf behält, liest Grifftabellen, Saitensätze und Unterrichtsmaterial sofort sicherer. Als Nächstes geht es darum, wie ich daraus in der Praxis eine saubere Stimmung mache.
So stimme ich eine Gitarre in der Praxis
Beim Stimmen arbeite ich systematisch und ohne Hektik. Ein Clip-Tuner oder gutes Stimmgerät ist dabei kein Luxus, sondern die schnellste Abkürzung zu einer verlässlichen Ausgangslage. Ich stimme jede Saite zunächst auf den Zielton und gehe dann ein zweites Mal durch das ganze Instrument, weil frisch aufgezogene Saiten sich immer noch setzen.
- Ich prüfe zuerst, ob ich wirklich die richtige Saite vor mir habe, nicht nur die richtige Mechanik.
- Ich stimme den Ton möglichst von unten an, also langsam nach oben bis zur Zielhöhe, statt den Ton von oben zu überdrehen.
- Ich spiele nach jedem Durchgang offene Akkorde und einzelne Töne erneut an, weil das Ohr kleine Abweichungen sofort zeigt.
- Bei neuen Saiten ziehe ich sie vorsichtig mehrmals an und stimme danach erneut, bis die Lage stabil bleibt.
In der Werkstattpraxis gibt es unterschiedliche Vorlieben für die Reihenfolge des eigentlichen Stimmens; entscheidend ist aus meiner Sicht weniger das Dogma als die Kontrolle am Ende. Wer sauber nachmisst, kann auch mit einer einfachen Reihenfolge sehr gute Ergebnisse erzielen. Genau an diesem Punkt passieren aber auch die meisten Fehler, darum lohnt sich der Blick darauf im Detail.
Die häufigsten Fehler bei Reihenfolge und Stimmung
Die Probleme sind meist erstaunlich banal. Nicht die Gitarre ist verwirrend, sondern die Zuordnung von Saite, Ton und Nummer. Ich sehe vor allem diese Fehler immer wieder:
| Fehler | Folge | Besser so |
|---|---|---|
| 6. und 1. Saite verwechselt | Falsche Orientierung beim Stimmen und beim Lesen von Tabs | Immer zuerst nach Dicke und Lage gehen: dick = 6, dünn = 1 |
| H und B gleichgesetzt | Falscher Ton in deutschem Kontext | Im Deutschen H verwenden, B nur dann, wenn die Quelle wirklich international notiert ist |
| Den Ton von oben heranüberdrehen | Instabile Stimmung, vor allem bei neuen Saiten | Lieber knapp unter dem Zielton ankommen und dann fein nach oben |
| Neue Saiten nicht nachstimmen | Die Gitarre fällt nach wenigen Minuten wieder auseinander | Nach dem Aufziehen mehrere kurze Kontrollgänge machen |
| Eine Saite isoliert betrachten | Andere Saiten klingen plötzlich daneben, obwohl der Tuner stimmt | Immer das gesamte Instrument hören, nicht nur einen Einzelton |
Gerade Anfänger denken oft, eine einzige korrekt angezeigte Saite reiche schon aus. In der Praxis stimmt das Instrument aber nur dann wirklich, wenn die Gesamtspannung, die Mechanik und die Spielweise zusammenpassen. Von hier ist der Schritt zu alternativen Stimmungen klein, weil sie fast immer die Saitenlage und das Gefühl auf dem Hals verändern.
Wann die Standardstimmung nicht mehr reicht
Die Standardstimmung E, A, D, G, H, e ist ein belastbarer Ausgangspunkt, aber nicht jede musikalische Situation bleibt dort stehen. Drop-D, offene Stimmungen oder tiefer gelegte Metal-Setups verändern die Reihenfolge zwar nicht zwingend, aber sehr wohl die Tonhöhen der einzelnen Saiten. Wer dauerhaft tiefer stimmt, braucht oft auch einen dickeren Saitensatz, sonst wird die tiefe Saite zu weich und die Intonation leidet. Intonation bedeutet hier: Die Töne bleiben über das Griffbrett hinweg möglichst sauber.
- Drop D senkt die tiefe E-Saite auf D und macht Powerchords einfacher.
- Open G eignet sich für Blues, Slide und bestimmte Songstrukturen, ist aber kein Alltagsstandard.
- 7-Saiter ergänzen unten meist ein tiefes H und verschieben damit den Tonraum deutlich nach unten.
- 12-Saiter arbeiten mit Saitenpaaren und klingen voller, verlangen aber mehr Sorgfalt beim Stimmen.
Ich halte es für sinnvoll, Standardstimmung erst wirklich sicher zu beherrschen, bevor man sich in Sonderstimmungen verliert. Wer den Normalfall versteht, erkennt Abweichungen schneller und kann besser entscheiden, ob die Gitarre nur nachgestimmt oder gleich neu eingerichtet werden muss. Genau diese Unterscheidung ist im Alltag oft wichtiger als die Frage nach dem spektakulärsten Tuning.
Was ich bei einem schnellen Check immer zuerst prüfe
Wenn eine Gitarre ungewöhnlich klingt, gehe ich immer dieselben drei Punkte durch: Stimmt die Saite zur richtigen Nummer, ist die Tonhöhe wirklich im Zielbereich und bleibt das Ergebnis nach ein paar Akkorden stabil? Danach prüfe ich, ob nur eine einzelne Saite zickt oder ob das ganze Instrument nach einem frischen Satz Saiten noch Zeit zum Setzen braucht. Häufig steckt das Problem dann nicht in der Reihenfolge, sondern in einer mechanischen Kleinigkeit am Sattel, an der Mechanik oder schlicht in zu alten Saiten.
Wer die Reihenfolge der Gitarrensaiten einmal sauber verinnerlicht hat, spart beim Stimmen, beim Unterricht und beim Lesen von Griffdiagrammen jedes Mal Zeit. Für mich ist das einer dieser kleinen Grundlagenpunkte, die im Musikalltag erstaunlich viel ausmachen: unspektakulär, aber dauerhaft nützlich.