Ein Akkord klingt erst dann überzeugend, wenn jede gegriffene Saite sauber schwingt und die rechte Hand den richtigen Saitenbereich trifft. Eine gute Grifftabelle für die Gitarre hilft dabei, Akkorde schnell nachzuschlagen, Griffbilder richtig zu lesen und aus einzelnen Formen eine spielbare Begleitung zu bauen. Ich zeige die wichtigsten offenen Akkorde, erkläre Barré-Griffe und gebe konkrete Übetipps für akustische und elektrische Gitarre.
Die wichtigsten Akkorde auf einen Blick
- Standardstimmung bedeutet von der tiefen zur hohen Saite E-A-d-g-h-e.
- O, X und Zahlen zeigen Leersaiten, gedämpfte Saiten und gegriffene Bünde.
- Für den Einstieg reichen zunächst C, G, D, A, E, Am, Em und Dm.
- Barré-Akkorde sind verschiebbar, brauchen aber mehr Kraft und Präzision.
- Eine saubere Stimmung ist wichtiger als ein möglichst umfangreiches Akkordrepertoire.

So liest du ein Gitarren-Griffbild richtig
Ein Akkorddiagramm stellt den Gitarrenhals aus der Perspektive der Greifhand dar. Die sechs senkrechten Linien stehen für die Saiten, die waagerechten Linien für die Bünde. In der üblichen Darstellung liegt die tiefe E-Saite links und die hohe e-Saite rechts.
Ein O über einer Saite bedeutet, dass sie leer gespielt wird. Ein X steht dafür, dass die Saite nicht angeschlagen oder mit einem Finger gedämpft wird. Zahlen oder Punkte markieren die zu greifenden Bünde. Die Finger werden meist mit 1 für den Zeigefinger, 2 für den Mittelfinger, 3 für den Ringfinger und 4 für den kleinen Finger angegeben.
Die folgenden Saitenfolgen lese ich immer von der tiefsten zur höchsten Saite. Dabei steht 0 für eine leere Saite und x für eine gedämpfte Saite. In Deutschland wird der Ton H als H bezeichnet, während B für B-Moll oder B-Dur im internationalen Sinn meist den deutschen Ton B♭ meint. Diese Schreibweise sorgt gerade bei Akkordtabellen häufig für Verwirrung.
Die wichtigsten offenen Akkorde für den Einstieg
Offene Akkorde nutzen mindestens eine leere Saite. Sie klingen auf der Westerngitarre oft voll und direkt, auf der Konzertgitarre weich und rund. Ich würde Anfängern nicht empfehlen, sofort zwanzig Formen auswendig zu lernen. Mit den folgenden Griffen lassen sich bereits sehr viele einfache Lieder begleiten.
| Akkord | Saitenfolge E-A-d-g-h-e | Typischer Fingersatz | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| C-Dur | x-3-2-0-1-0 | 3-2-0-1-0 | Heller Grundakkord, tiefe E-Saite nicht spielen |
| G-Dur | 3-2-0-0-0-3 | 2-1-0-0-0-3 | Voll klingend, gut mit C und D kombinierbar |
| D-Dur | x-x-0-2-3-2 | 0-0-0-1-3-2 | Nur die vier höchsten Saiten anschlagen |
| A-Dur | x-0-2-2-2-0 | 0-1-2-3-0 | Die drei Finger liegen dicht nebeneinander |
| E-Dur | 0-2-2-1-0-0 | 0-2-3-1-0-0 | Gute Ausgangsform für viele Barré-Akkorde |
| Am | x-0-2-2-1-0 | 0-2-3-1-0 | Mollklang ohne schwierigen Fingersatz |
| Em | 0-2-2-0-0-0 | 0-2-3-0-0-0 | Einer der leichtesten Akkorde überhaupt |
| Dm | x-x-0-2-3-1 | 0-0-0-2-3-1 | Benötigt präzise hohe Saiten |
Bei C-Dur, D-Dur und Dm passiert ein typischer Anfängerfehler. Die tiefen Saiten gehören dort nicht zum Akkord und sollten deshalb gar nicht erst mit dem Plektrum getroffen werden. Ein sauberer, kleiner Anschlag klingt fast immer besser als ein kräftiger Schlag über alle sechs Saiten.
Mit welchen Akkorden solltest du anfangen?
Für die ersten Übungstage empfehle ich Em, Am, C, G und D. Diese Kombination trainiert offene Saiten, unterschiedliche Fingerabstände und mehrere Akkordwechsel, ohne sofort einen Barré-Griff zu verlangen. Übe zunächst zwei Akkorde im Wechsel, etwa Em und C, jeweils vier langsame Anschläge pro Akkord.
Septakkorde wie E7, A7 und D7 sind ebenfalls nützlich, weil sie oft leicht zu greifen sind und einer Begleitung sofort mehr Spannung geben. E7 wird beispielsweise mit 0-2-0-1-0-0 gespielt. Der Akkord klingt deutlich offener als E-Dur und führt harmonisch häufig zurück zu A-Dur.
Barré-Griffe verstehen und sinnvoll üben
Beim Barré legt ein Finger mehrere Saiten in einem Bund nieder. Der Zeigefinger übernimmt dabei gewissermaßen die Aufgabe des Sattels. Das macht die Form verschiebbar, aber auch anspruchsvoller, weil alle beteiligten Saiten gleichmäßig klingen müssen.
Ein klassischer F-Dur-Griff lautet 1-3-3-2-1-1. Der Zeigefinger liegt dabei über alle sechs Saiten im ersten Bund. Für viele Anfänger ist diese Form anfangs zu anstrengend. Eine brauchbare Übergangslösung ist Fmaj7 mit x-x-3-2-1-0 oder eine vereinfachte F-Dur-Form, bei der nur die höchsten vier Saiten gespielt werden.
Ich übe Barré-Akkorde nicht zuerst mit schnellen Liedern, sondern in kurzen Kraftintervallen. Greife die Form, zupfe jede Saite einzeln an und suche die Stelle, an der eine Saite scheppert oder stumm bleibt. Danach entspannst du die Hand für einige Sekunden. Fünf Minuten präzises Üben bringen mehr als eine halbe Stunde verkrampftes Durchspielen.
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E- und A-Formen als verschiebbare Muster
Die E-Dur-Form wird mit einem Barré in andere Bünde verschoben. Greifst du die Form im ersten Bund, entsteht F-Dur, im dritten Bund G-Dur und im fünften Bund A-Dur. Der Grundton liegt dabei auf der tiefen E-Saite.
Auch die A-Dur-Form lässt sich verschieben. Als A-Barré im zweiten Bund ergibt sie H-Dur, im dritten Bund C-Dur. Die drei Finger der ursprünglichen A-Form müssen dabei oft durch einen kleinen Finger oder eine kompakte Kombination ersetzt werden. Das fühlt sich zunächst ungewohnt an, eröffnet aber viele Tonarten, die mit offenen Akkorden unbequem wären.
Grifftabelle, Akkordsymbol und tatsächlicher Klang
Ein Griffbild zeigt, wo die Finger liegen. Es sagt aber nicht automatisch, wie der Akkord im musikalischen Zusammenhang funktioniert. C-Dur kann beispielsweise als Grundakkord, als Teil einer Tonart oder als Übergang zu Am eingesetzt werden. Die gleiche Griffart erhält ihre Wirkung erst durch die Akkorde davor und danach.
| Bezeichnung | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Dur | Meist klarer und stabiler Grundklang | C, G, D |
| Moll | Dunkler oder nachdenklicher Klang | Am, Em, Dm |
| 7 | Dominantseptakkord mit stärkerer Spannung | E7, A7, D7 |
| maj7 | Weicher, schwebender Klang mit großer Septime | Cmaj7, Fmaj7 |
| sus4 | Terz wird durch die Quarte ersetzt | Dsus4, Asus4 |
Ein häufiger Irrtum ist, jeden Akkord nur nach seiner Schwierigkeit zu bewerten. D7 ist technisch oft leichter als D-Dur, klingt aber wegen seiner Spannung nicht in jedem Lied passend. Ich achte deshalb zuerst auf den musikalischen Zweck eines Griffs und erst danach darauf, wie bequem er unter den Fingern liegt.
Typische Fehler beim Nachschlagen und Üben
Der häufigste Fehler ist eine falsch gestimmte Gitarre. In der Standardstimmung liegen die Saiten von tief nach hoch bei E-A-d-g-h-e. Schon eine leicht verstimmte Saite lässt einen korrekt gegriffenen Akkord falsch klingen, weshalb ein Stimmgerät am Anfang zur Grundausstattung gehört.
- Zu viel Druck: Drücke nur so stark, bis der Ton sauber klingt. Mehr Kraft macht den Wechsel langsamer.
- Falscher Anschlag: Spiele nur die Saiten, die zum Akkord gehören, besonders bei C, D und Dm.
- Abgeknickte Finger: Greife möglichst mit der Fingerspitze, damit benachbarte Saiten frei bleiben.
- Zu schnelles Wechseln: Übe zuerst ohne Rhythmus und kontrolliere jeden einzelnen Ton.
- Unpassender Fingersatz: Ein alternativer Fingersatz kann für den nächsten Akkord besser funktionieren.
Bei langen Fingernägeln an der Greifhand wird ein sauberer Kontakt unnötig schwierig. Auch eine sehr hohe Saitenlage, also ein großer Abstand zwischen Saiten und Griffbrett, kann das Üben erschweren. In diesem Fall liegt das Problem nicht unbedingt an deiner Technik, sondern möglicherweise an der Einstellung des Instruments.
So wird aus einzelnen Griffen eine sichere Begleitung
Eine Grifftabelle ist eine Referenz, aber kein Übeplan. Ich würde pro Woche höchstens zwei bis drei neue Akkorde aufnehmen und sie sofort in eine kleine Folge einbauen. Gute Einstiege sind G-Dur, C-Dur und D-Dur oder Am, C-Dur und E-Dur.
Spiele jeden Akkord zunächst vier Schläge lang. Danach wechselst du auf zwei Schläge pro Akkord und erst später auf einen abwechslungsreicheren Rhythmus. Hebe die Finger beim Wechsel nicht unnötig weit vom Griffbrett ab. Oft bleiben ein oder zwei Finger liegen, und genau diese kleinen gemeinsamen Bewegungen machen das Tempo stabil.
Bei einer Westerngitarre lohnt sich ein weicher Anschlag mit den Fingern, bei einer E-Gitarre ein kontrollierter Plektrumanschlag. Die Griffbilder bleiben gleich, doch Saitenstärke, Mensur und Saitenlage verändern das Spielgefühl. Eine Form, die auf einer Konzertgitarre leicht wirkt, kann sich auf einer hart bespannten Westerngitarre deutlich anspruchsvoller anfühlen.
Wer häufig zwischen Akkorden wechselt, sollte nicht nur einzelne Griffbilder sammeln, sondern Akkordfolgen als Bewegungsmuster lernen. So wird aus der statischen Übersicht allmählich ein praktisches Werkzeug für Begleitung, Songwriting und Unterricht.
Die passende Akkordübersicht für deinen nächsten Übeschritt
Für den Anfang genügt eine kompakte Tabelle mit offenen Dur- und Mollakkorden. Ergänze danach Septakkorde und erst dann die verschiebbaren Barré-Formen. Diese Reihenfolge hält die Motivation hoch, weil du schnell musikalisch einsetzbare Ergebnisse bekommst.
Wenn ein Griff nicht sauber klingt, prüfe zuerst Stimmung, Fingerposition und Saitenanschlag. Erst wenn diese Grundlagen stimmen, lohnt es sich, über schwierigere Varianten nachzudenken. Eine übersichtliche Akkordtabelle soll dir Arbeit abnehmen, nicht zusätzlichen Druck machen.