Beim Stimmen einer Gitarre entscheidet ein kleiner Buchstabe über den richtigen Ton. Ich zeige dir die Namen, Reihenfolge und Noten der sechs Gitarrensaiten, erkläre die deutsche und internationale Schreibweise und ordne ein, was sich bei Drop-D, Open Tunings, E-Gitarre, Westerngitarre und Konzertgitarre verändert.
Die sechs Saiten folgen meist der Reihenfolge E A D G H E
- 6. Saite: tiefes E, die dickste Saite
- 5. Saite: A
- 4. Saite: D
- 3. Saite: G
- 2. Saite: H, international meist B genannt
- 1. Saite: hohes E, die dünnste Saite

Die Namen der Gitarrensaiten von tief nach hoch
In der üblichen Standardstimmung heißen die leeren Saiten von der dicksten zur dünnsten Saite E, A, D, G, H, E. „Leer“ bedeutet, dass du keinen Bund greifst. Genau dieser Ton wird auch als Name der jeweiligen Saite verwendet.
| Saite | Tonname | Typische Funktion |
|---|---|---|
| 6. Saite | tiefes E | tiefe Bassgrundtöne |
| 5. Saite | A | Grundtöne und Akkordwechsel |
| 4. Saite | D | mittlere Basslage |
| 3. Saite | G | Übergang zu den hohen Saiten |
| 2. Saite | H | Melodien und Akkordtöne |
| 1. Saite | hohes E | hohe Melodien und Sololäufe |
Die Zählung wirkt anfangs etwas unlogisch. Die 1. Saite ist die dünnste und höchste, während die 6. Saite die dickste und tiefste ist. Gezählt wird also nicht von oben nach unten in der Spielhaltung, sondern nach der Tonhöhe von hoch nach tief.
Warum heißt die zweite Saite H und nicht B?
In der deutschen Notenschrift heißt der Ton zwischen A und C H. Im englischsprachigen Raum wird derselbe Ton als B bezeichnet. Deshalb findest du auf vielen Stimmgeräten, Apps und Lehrvideos die Folge E A D G B E, obwohl in Deutschland E A D G H E üblich ist.
Das ist kein Unterschied in der Stimmung, sondern nur eine andere Schreibweise. Bei einem internationalen Tuner solltest du also wissen, dass B auf dem Display dem deutschen H entspricht.
Saite, Saitennummer und Ton sind nicht dasselbe
Viele Anfänger vermischen drei Angaben, die eigentlich verschiedene Dinge beschreiben. Die Saitennummer sagt, wo sich die Saite befindet, der Tonname bezeichnet ihre Stimmung und die Saitenstärke beschreibt ihren Durchmesser.
- 6. Saite: Positionsbezeichnung der tiefsten Saite
- E: Ton, auf den diese leere Saite gestimmt wird
- .046: ungefähre Saitenstärke in Zoll, je nach Satz
Eine 6. Saite bleibt also die 6. Saite, auch wenn du sie für Drop D von E auf D herunterstimmst. Der Name der Saite bezieht sich häufig auf ihre Standardstimmung, der aktuell klingende Ton kann aber ein anderer sein.
Auch die Tonhöhe ändert sich beim Greifen. Spielst du die leere A-Saite, erklingt A. Greifst du sie im zweiten Bund, erklingt H, im dritten Bund C und im fünften Bund D. Für Akkorde und Tonleitern ist deshalb der offene Saitenname nur der Ausgangspunkt.
Welche Töne erklingen in der Standardstimmung genau?
Bei einer Stimmung auf den Referenzton A = 440 Hz ergeben sich für die sechs leeren Saiten ungefähr folgende Frequenzen. Diese Werte brauchst du im Alltag nicht auswendig, sie erklären aber, warum ein Stimmgerät die Saiten eindeutig unterscheiden kann.
| Saite | Ton | Frequenz |
|---|---|---|
| 6 | E | 82,41 Hz |
| 5 | A | 110,00 Hz |
| 4 | D | 146,83 Hz |
| 3 | G | 196,00 Hz |
| 2 | H | 246,94 Hz |
| 1 | e | 329,63 Hz |
Die beiden E-Saiten tragen denselben Buchstaben, liegen aber zwei Oktaven auseinander. Das kleine e für die hohe Saite hilft in Notizen und Tabulaturen dabei, die beiden Töne auseinanderzuhalten.
Zwischen den meisten benachbarten Saiten liegt ein reines Quartenintervall. Eine wichtige Ausnahme bildet der Abstand zwischen G- und H-Saite, der nur eine große Terz beträgt. Diese Abweichung erklärt, warum viele Akkordgriffe auf der Gitarre nicht völlig symmetrisch aussehen.
Die Saitennamen bei E-Gitarre, Westerngitarre und Konzertgitarre
Die Standardtöne bleiben bei den üblichen sechssaitigen Gitarren gleich. Eine E-Gitarre, eine Westerngitarre und eine Konzertgitarre können also alle mit E A D G H E gestimmt werden. Unterschiede gibt es vor allem bei Material, Spannung, Klang und Saitenstärke.
| Gitarrentyp | Typische Saiten | Worauf ich achten würde |
|---|---|---|
| E-Gitarre | Stahl, oft .009 bis .046 | Spielgefühl, Bendings und Tonabnehmer |
| Westerngitarre | Stahl, oft .010 bis .052 oder stärker | Decke, Mensur und zulässige Spannung |
| Konzertgitarre | Nylon oder Carbon | keine Stahlsaiten auf einem klassischen Instrument |
Gerade bei der Konzertgitarre ist Vorsicht wichtig. Eine klassische Gitarre ist normalerweise für Nylonsaiten konstruiert. Stahlsaiten erzeugen deutlich mehr Zug und können Steg, Hals oder Decke beschädigen.
Bei E-Gitarren greifen viele Spieler zu dünnen Sätzen, weil sich Bendings leichter anfühlen. Dickere Saiten liefern oft mehr Stabilität und einen kräftigeren Grundton, verlangen aber mehr Kraft und müssen zur Mensur sowie zur Einstellung des Instruments passen. Die Tonbuchstaben allein sagen über die passende Saitenstärke noch nichts aus.
Was ändert sich bei alternativen Stimmungen?
Die Namen der Saiten orientieren sich meist an der Standardstimmung, auch wenn die Gitarre anders gestimmt wird. Für viele Rock-, Metal- und Blues-Riffs reicht bereits eine kleine Änderung an der tiefen E-Saite.
Drop D
Bei Drop D wird die 6. Saite von E auf D heruntergestimmt. Die Reihenfolge lautet dann D A D G H E. Der Vorteil liegt in einfachen Powerchords, die sich mit einem Finger über die tiefen drei Saiten greifen lassen.
Ganzton tiefer
Bei einer Ganztonstimmung werden alle Saiten zwei Halbtonschritte tiefer gestimmt. Aus E A D G H E wird D G C F A D. Das wirkt oft etwas weicher und entlastet die Saiten, verändert aber das Griffbrettgefühl und die Intonation.
Lesen Sie auch: Gitarrensaiten Reihenfolge: E-A-D-G-H-e meistern & richtig stimmen
Open Tunings
Bei einer offenen Stimmung ergibt das Anschlagen aller leeren Saiten bereits einen vollständigen Akkord. Open G und Open D werden häufig für Slide-Gitarre und bestimmte Blues- oder Folk-Spielweisen verwendet. Hier ist es besonders wichtig, die aktuell klingenden Töne zu notieren, statt sich nur auf die Standardnamen zu verlassen.
Ich empfehle, bei jeder Umstimmung zuerst die Saiten einzeln anzuschlagen und die neue Reihenfolge aufzuschreiben. So entstehen weniger Fehler beim Stimmen, besonders wenn ein Tuner wegen einer starken Verstimmung zunächst den falschen Oktavbereich anzeigt.
So merkst du dir E A D G H E dauerhaft
Eine Eselsbrücke hilft beim Einstieg, ersetzt aber nicht das praktische Wiederholen. Ein verbreiteter deutscher Merksatz lautet „Ein Anfänger Der Gitarre Habe Eifer“. Die Anfangsbuchstaben führen von der tiefen 6. Saite zur hohen 1. Saite.
Ich finde es noch effektiver, die Namen direkt mit den Saiten zu verbinden. Spiele täglich die leeren Saiten in beide Richtungen und sage die Töne laut mit. Nach wenigen Tagen kommt die Reihenfolge meist schneller aus dem Gedächtnis als jeder Merkspruch.
- Zeige auf die 6. Saite und sage „E“.
- Gehe zur 5. Saite und sage „A“.
- Wiederhole die Folge bis zur 1. Saite.
- Übe danach die Rückwärtsfolge E H G D A E.
- Spiele einzelne Töne im fünften Bund und vergleiche sie mit der nächsthöheren leeren Saite.
Der fünfte Bund ist besonders nützlich, weil dort viele Nachbarsaiten denselben Ton liefern. Eine Ausnahme bildet die H-Saite. Beim Stimmen nach Gehör liegt der Vergleich zwischen G- und H-Saite deshalb im vierten Bund der G-Saite.
Die Saitennamen als Grundlage für Stimmen und Greifen
Wer die sechs offenen Töne kennt, kann ein Stimmgerät besser kontrollieren und versteht Tabulaturen schneller. In einer Tabulatur stehen die sechs Linien für die Saiten, nicht für die Tonhöhe allein. Die oberste Linie steht gewöhnlich für die hohe e-Saite, die unterste für das tiefe E.
Beim Stimmen sollte ich mich nicht nur darauf verlassen, dass irgendein Buchstabe auf dem Display erscheint. Entscheidend sind der richtige Ton und die richtige Oktave. Ein Tuner kann beispielsweise ein E erkennen, obwohl die Saite zu hoch oder zu tief in einer falschen Oktavlage liegt.
Für Anfänger ist ein chromatisches Stimmgerät mit automatischer Tonerkennung am unkompliziertesten. Es zeigt auch Töne an, die von einer alternativen Stimmung stammen. Im Modus „Gitarre“ werden dagegen häufig nur die sechs Standardtöne E, A, D, G, H und E erwartet.
Die Saitennamen helfen außerdem beim Aufbau von Akkorden. Ein offener E-Dur-Akkord nutzt die tiefe E-Saite als Grundton, während ein A-Dur-Akkord meist von der A-Saite aus gedacht wird. Dadurch wird verständlich, warum manche Akkorde nicht über alle sechs Saiten angeschlagen werden sollten.
Die wichtigsten Saitennamen bleiben auch bei neuen Griffen der Ausgangspunkt
Für die normale sechssaitige Gitarre genügt zunächst eine Folge, die du sicher beherrschen solltest: tiefes E, A, D, G, H, hohes E. Damit kannst du stimmen, Tabulaturen lesen, Akkorde einordnen und dich auf dem Griffbrett orientieren.
Erst danach lohnt es sich, alternative Tunings, internationale Schreibweisen oder unterschiedliche Saitenstärken genauer zu erkunden. Mein praktischer Rat lautet, beim Saitenwechsel immer die Standardstimmung als Referenz aufzuschreiben und erst dann eigene Varianten auszuprobieren. So bleibt klar, welcher Ton gerade erklingt und welche Saite du tatsächlich vor dir hast.